Architektur und Lust am Spiel sind wunderbare Quellen der Inspiration. Warum sich bei einer Tasche nicht an die größten und zugleich wundersamsten Bauwerke zu wagen? Das war keine Frage bei unserer Pyramide, sondern die Aufgabe.


Einen so schlichten dreidimensionalen Körper in seiner genialen Klarheit in eine Tasche zu überführen stellt jedoch unzählige Fragen:   Wie kann ein statischer und zugleich starrer Körper als tragbarer Raum dienen? Wie ihn greifen und transportieren? An welcher Stelle eine Pyramide öffnen, ohne die eigentliche Struktur zu zerstören?  Und selbst wenn diese Fragen geklärt wären, wie all das konstruktiv in Leder umzusetzen?

 

 

Glückliche Momente sind, wenn ganz simple Dinge Anwort geben können.  Das Faltspiel "Himmel und Hölle" war so ein Glücksmoment bei der Entwicklung dieser Tasche. Die vier Dreiecke konnten als Flächen komplett erhalten werden und die Tasche öffnet sich ähnlich dem Faltspiel zur Spitze zu. Damit dann dennoch ein Raum entsteht, der die Dinge im Inneren sicher aufbewahrt sind weiche Falten eingearbeitet. Wie Zeltdächer spannen sie sich zwischen den starren Dreiecken und  schützen Pretiosen im Inneren vor dem Herausfallen.

 

Der Tragegriff, der an  zwei gegenüberliegenden Dreiecken befestigt wird, ist flexibel genug beim Öffnen, um sich zu strecken oder wie auf einem Drehlager sitzend zur Seite geklappt zu werden. Gleichzeitig hat der Griff genügend Stand die ganze Tasche zu halten und zu Tragen. Sowohle die Basis der Pyramide wie auch die vier Dreiecke sind mit aufwendigen französischen Einschlägen verarbeitet. Hierbei wird sowohl das sichtbare Aussenleder wie auch das  faltenbildende Innenleder massgenau umgebugt und gegeneinander versteppt.

 

 

Im Inneren werden  wandgebend und versteifend Schichten aus Lederfaserplatten unsichtbar verbaut. Es ensteht eine tragfähige und partiell harte Konstruktion, die überraschend leicht bleibt.  Die vier dreieckigen harten Körperteile werden über eine paspelartige elastische Zwischendecke auf der Bodenplatte schwimmend angebunden und mit jeweils zwei perfekten Handstichen scharnierartig dort befestigt. Die acht Handstiche verbinden an entscheidender Stelle jeweils in zwei Ebenen die Tasche und sind das eigentliche Geheimnis dieser Konstruktion. 

 

Die Spitze der Pyramide umschliesst ein Band aus ebenfalls doppekt eingeschlagenem Leder in krönender Weise. Hier wurden unsichbar Magnete eingelassen, die das Band wie von selbst zufallen lasssen. So umschliesst die Pyramide wie eine kleine Schatzkammer sicher  die Dinger in ihrem Inneren.

 

 

Eine handwerklich sehr anspruchsvolle Tasche, die sich gänzlich in klassischer Verarbeitung präsentiert und komplett ohne moderne Zutaten wie etwa Kantenfarbe oder Metallbeschläge auskommt. Eine ausssergewöhliche Tasche, die wohl auch aussergewöhnlichen Trägerinnen vorbehalten sein dürfte.