Am Anfang eines jeden Produktes steht die Vision. Gutes Design braucht unbedingt zahlreiche und ganz unterschiedliche  Anregungen, nicht nur für die Formgebung, sondern gerade auch für die Funktionalität.   Beide Bereiche stellen völlig verschiedene Ansprüche an das Taschendesign und sind seit jeher eine große Herausforderung für die Architektur einer neuen Taschenkreation.

 

 

 

So gar nicht digital – zumindest nicht vollständig – verlaufen Teilbereiche unseres Designprozesses. Die Entwicklung beginnt klassisch mit einem Entwurf, der entweder am Rechner entsteht oder per Zeichnung zu Papier gebracht wird. Ganz ohne digitales Zutun entsteht nach dieser Entwurfsvorlage die erste Bauform, ein modellierter Erstkörper. Beim Modellieren sind regelrechte Künstlerinnen, Virtuosen am Werk die aus einer simplen Skizze ein präzises 1:1 Modell entstehen lassen, bis in jedes noch so kleine Detail. 

 

 

 

Unseren Modellbau bereichern drei inspirierende und handwerklich ausgezeichnete Handwerkerinnen, die uns bereits seit dem allersten Arbeitstag begleiten und unterstützen.

 

 

 

Ab dem ersten Modellentwurf, bedarf es dann viel Zeit, Geduld und Präzision bis nach monatelanger Reflexion, wegweisenden Veränderungen und einer Vielzahl weiterer Simulationen ein erster Prototyp in Leder angefertigt wird. Erst nach einem langen und aufregenden Designprozess, wenn alle beteiligten Kreativspezialisten mit jedem Detail zufrieden sind, werden finale Anweisungen für die Fertigung erstellt und alle Täschner in die Fertigung eingeführt.

 

Sneza, Modelleurin

Bei den Arbeitsabläufen heute hat sich prinzipiell nichts wesentlich an den Fertigungsschritten verändert, die schon vor fast 100 Jahren unsere Manufaktur geprägt  haben.

 

 

 

Weit über 1700 einzelne Taschenkreationen zählt unser Schablonensaal. Für die Herstellung einer Tasche wird hier der entsprechende Schablonensatz entnommen. Ein vollständiges Schablonengebinde kann bei komplizierten Taschenmodellen  leicht über 120 Schnittvorlagen umfassen.

 

 

 

Besondere Bedeutung kommt dem ersten Verarbeitungsschritt und somit der Position unseres Leder-Zuschnittmeisters zu.  Neben einem geübten Auge braucht man jahrzehntelange Erfahrung im Umgang mit Leder und seiner Weiterverarbeitung,  um alle Schablonenteile aus der richtigen Hautstelle zu schneiden.  Textur, Ausrichtung, Spannung und Farbbeschaffenheit innerhalb einer Haut, bestimmen am Schluss über ein perfektes und einmaliges Endprodukt.

 

 

 

Sobald alle Lederteile und Innenfutter zugeschnitten sind, wird die Tasche samt der weiteren notwendigen Bauteile wie Metallbeschlägen, Reißverschluss als kompletter Materialsatz an eine Täschnerin überreicht und geht in ihre Verantwortung über.  Ab hier beginnt der eigentliche Aufbau des Taschenmodells.

 

Während des Aufbaus eines Taschenmodells  auf dem Täschnertisch werden Bauteile und Baugruppen im steten Austausch zu unserer Stepperei hin- und hertransportiert. Ein logistisch innerhalb der Manufaktur ausgeklügelter Prozess. So bleibt jedoch der Aufbau einer Tasche wesentlich in den Händen und der Verantwortung eines Handwerkers. Insgesamt 18 Täschner fertigen eigenverantwortlich und in zeitintensiver Handarbeit Taschenmodelle in Einzelanfertigung.

 

 

 

Darin unterscheidet sich unsere Manufaktur grundsätzlich von allen Serienfertigungen, bei denen ein angelernter Arbeiter nur einen kleinen Teil der Montage, meist nur einen Handgriff, unendlich oft am Tag wiederholen muss.  Jeder unserer Täschner hingegen  ist in der Lage  vollstufig eine Tasche  alleine herzustellen und kann sich auf diese Weise sichtbar in das Produkte einbringen. 

 

 

 

Bevor das Leder von einem Täschner verarbeitet werden kann, werden Lederteile konstruktiv bearbeitet. So etwa durch Spalten des Leders, ein homogenes Abtragen von Leder auf der Fleischseite, um Lederteile an gewünschten Stellen der Tasche dünner und leichter zu machen.

 

Oder durch Schärfen an der Kante von Lederteilen, um dort später einen sogenannten Einschlag durchführen zu können. Hierdurch wir das Leder an der Außenkante in der Breite von etwa einem Zentimeter in seiner Stärke halbiert, um es sodann durch ein "Umbugen" der Kante mit einem "Einschlag" zu versehen. Dies ist die traditionelle Methode, eine von außen sichtbare Schnittkante harmonisch sauber und haltbar zu verarbeiten. Diese "Einschlagen" will geübt sein, um es langsam und gleichmäßig auf das exakte Maß zu bringen.  Stoßen zwei Ebenen aufeinander, die mit einem französischen Einschlag versehen werden, ist absolut präzises Arbeiten gefordert, damit eine perfekter Körper ohne Verspannungen entstehen kann.

 

Eine Spezialität unserer Manfaktur sind harte und semi-harte Taschenkörper in unvergleichlichem Leichtbau. Im Gegensatz zu "sackigen"  Taschen, bei denen Lederteile im Grunde nur auf der "linken" Seite versteppt werden und ein Futtersack eingefügt wird, liegt bei unseren Modellen die Komplexität der Konstruktion zwischen sichtbarem Leder und Innenfutter verborgen. Hier kommen unterschiedliche Materialien zum Einsatz, die unseren Taschen ein einzigartiges Erscheinungsbild verbunden mit eleganter Leichtigkeit verleihen.

 

 

 

Zur Stabilisierung der Konstruktion werden im Inneren Lederfasermaterialien oder gar ein weiteres Leder verwendet, in kostensensiblen Serienfertigung undenkbar. Das Wissen die Unterkonstruktion aus stabilisierenden Lederfaserplatten mit dem Außenleder so zu verbinden, daß virtuose Taschenkörper wie etwa bei unserer ART COUTURE entstehen können, will in Jahren des Arbeitens und Lernens erworben werden. Neben Fleiß und dem notwendigen Geschick ist unbedingt eine Begeisterung und Hingabe zu unseren Produkten gefragt.

 

 

 

Neben der Unterstützung durch eine Mitarbeiterin aus unserer Stepperei wird jede Tasche noch zusätzlich durch eine Vielzahl markanter Handstiche ergänzt. Nichts drückt so sehr die eigene Persönlichkeit eines Handwerkers aus wie sein Handstich. Die Stiche müssen sitzen, um Haltbarkeit und Dekor gleichsam zu sein.  Jede Tasche wird so unverwechselbar und zum unikaten Werk.  Ein Meisterstück!

 

 

 

Als ein Zeichen für die Einzigartigkeit und Exklusivität unserer handgefertigten Ledertaschen, wird in  jeder  Tasche im Inneren eine Metallplakette mit einer  Seriennummer angebracht.  Diese wird in unserem Atelierbuch vermerkt und gibt jederzeit Auskunft über die Echtheit, den Zeitraum der Herstellung und den/die ausführende/n Handwerker/in.

 

 

Wahrer Luxus entsteht durch kompromisslosen Anspruch an Qualität mit den Mitteln traditionellen Kunsthandwerk und unter Einsatz des komplexesten Werkzeugs der Welt - der menschlichen Hand. Viele Menschen, die nur noch virtuelle Räume bauen, erleben heute diese Erfahrung nicht  mehr: Am Abend eines Tages das fertige  Werkstück in Händen zu halten. Tagtäglich aufs Neue sind wir dankbar intensiv die Produkte unserer Arbeit zu erleben.